Die viel gelobten Bayern haben das CL-Halbfinalspiel in Madrid mit 0:1 verloren. In den Medien wird diese Niederlage kritisiert, weil sie an der Makellosigkeit des „pepischen“ Systems zweifeln lässt. Sind die Bayern etwa doch schlagbar? Im Grunde ist aber erst mal nichts verloren, denn eine Halbfinalrunde wird in zwei addierten Spielen entschieden. Die Bayern können sich also noch verbessern.

Angefangen hat das Spiel gestern wie immer. Bayern krallte sich den Ball und lag in der Ballbesitzstatistik, welche nichts aussagt, weit vorne. Sie konnte aber nichts Zählbares aus ihren wenigen Chancen machen. Ganz anders Madrid, die hatten sich auf die Spielweise der Bayern eingestellt. Sie mauerten am 16er und konnten blitzschnell auf Konter umschalten.

So gut die Bayern in der Offensive sind, so schwach zeigt sich die Mannschaft in der Defensive. Solange die Offensive die Gegner in deren Hälfte drückte, mit Kurzpassspiel und hohem Ballbesitz, hatten die Defensivleute wenig zu tun. Daher ist diese Schwäche in der laufenden Bundesliga-Saison nicht besonders aufgefallen.

Anders hingegen im gestrigen Spiel. Die Madrilenen können eben auch Fußball spielen. Das wird oft von den Zuschauern vergessen. Auch dem Reporter vom ZDF, Béla Réty, fiel es schwer, dem Gegner Respekt zu zollen. Madrid ist eine gute Mannschaft und sie war heiß auf den Sieg. Alle spanischen Spieler gingen mit der letzten Muskelfaser in die Zweikämpfe, was sich gut beobachten ließ.

Gestern Abend haben die Bayern verdient verloren. Im Moment fehlt der Mannschaft der letzte Biss. Vielleicht ist das auch normal, nachdem man immer Vollgas gespielt hat. Oder muss man eine Topleistung eines Spielers zu jeder Zeit voraussetzen, wenn er in einer Topmannschaft spielt? Letztendlich sind das Spieler, mit Höhen und Tiefen. Leider geht ihnen die Luft so kurz vor dem Saisonfinale aus. Ob Pep ein Mittel finden wird, um das Letzte aus den Spielern herauszukitzeln? Man darf gespannt sein.

Real Madrid war gestern Abend einfach besser. Die Madrilenen mussten auch vorlegen. Das ist in dem Modus von Hin- und Rückspiel so. Wer zu Hause spielt, der muss zumindest ein Tor erzielen. Das hat Real Madrid getan. Sie hatten gar noch ein paar weitere Möglichkeiten, das Ergebnis zu erhöhen.

Das Résumé ist wie folgt: Die Bayern haben ihre Schwächen, wenn das Spiel ausgeglichen verläuft. Sobald die gegnerische Mannschaft in der Lage ist, sich aus der Belagerung um den eigenen 16er zu befreien, wird es für die Bayern schnell ungemütlich. Die Abwehr fängt dann an zu schwimmen. Einige Spieler, wie z. B. Toni Kroos, werden unter gegnerischem Druck schwächer und die Ballsicherheit geht verloren. Es ist eben so, dass nicht nur die Bayern Fußball spielen können.

In der Summe ist aber noch nichts verloren. Die Bayern sind eine erfahrene Mannschaft. Es gibt keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Sicher, ein Auswärtstor hätte die Ausgangslage vor dem Rückspiel verbessert, aber auch die Bayern können in München ohne Gegentor gewinnen.